Himmelsbach Technologie GmbH - Wissen für Fachhandwerk und Kundenberatung
Bequem ist nicht automatisch passend
Wir erleben täglich, wie entscheidend das Zusammenspiel von Fuß, Schuh und Einlage für eine gute Versorgung ist. Als Partner des orthopädischen Fachhandwerks möchten wir deshalb nicht nur Materialien liefern, sondern auch Wissen teilen, das im Arbeitsalltag und in der Kundenberatung weiterhilft.
Unsere Beiträge richten sich an Fachpersonal, Gesellen, Auszubildende und alle, die sich mit Fußgesundheit und Einlagenversorgung beschäftigen – fachlich fundiert, verständlich und gerne auch zum Weitergeben an Kundinnen und Kunden.
Hinweis: Die Bildmotive und Grafiken auf dieser Seite wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erstellt. Sie dienen der Illustration und zeigen keine konkreten Personen, Schuhmodelle oder Behandlungssituationen.
Was ein unterstützungsbedürftiger Fuß vom Schuh braucht
Weiche, federnde Sohlen liegen im Trend. Sie fühlen sich beim ersten Anprobieren angenehm an, dämpfen den direkten Kontakt zum Boden und vermitteln das Gefühl, auf Wolken zu gehen. Doch Komfort, Dämpfung, Stabilität und orthopädische Eignung sind nicht dasselbe.
Ein gesunder, kräftiger Fuß kann mit sehr unterschiedlichen Schuhen und Untergründen umgehen. Ist seine Funktion jedoch durch eine Fehlstellung, Schmerzen, eine Erkrankung oder eine beeinträchtigte Wahrnehmung verändert, kann eine stark nachgiebige Schuhkonstruktion zusätzliche Anforderungen an Muskulatur und Gelenke stellen.
Dann braucht der Fuß nicht einfach nur mehr weichen Schaum, sondern ein passendes Zusammenspiel aus Zehenfreiheit, Halt, Führung, Schutz, Beweglichkeit und – wenn notwendig – einer individuell angepassten Einlage.
▶️ Der beste Schuh ist nicht der weichste. Es ist der Schuh, dessen Eigenschaften zum Fuß, zum Menschen und zum Einsatzzweck passen.
Der Fuß arbeitet nicht allein
Mit 26 Knochen, zahlreichen Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern ist der Fuß gleichzeitig Fundament, Stoßdämpfer, Sensor und Hebel. Beim Gehen muss er Belastungen aufnehmen, sich an den Untergrund anpassen, den Körper stabilisieren und schließlich einen sicheren Abstoß ermöglichen.
Seine Arbeit endet nicht am Sprunggelenk. Stellung und Bewegung des Fußes beeinflussen die Mechanik der Beinachse. Sprunggelenk, Knie, Hüfte und Rumpf reagieren gemeinsam auf jede Bodenberührung. Das bedeutet nicht, dass jede Fehlstellung am Fuß zwangsläufig Knie-, Rücken- oder Nackenbeschwerden verursacht. Es erklärt aber, warum der Fuß nicht isoliert beurteilt werden sollte. Auch Haltung, Bewegungsabläufe und die individuelle Belastung müssen in die Betrachtung einbezogen werden.
Programme zur Verletzungsprävention wie STOP-X greifen genau diesen Gedanken auf: Mobilität, Gelenkkontrolle, Kraft und neuromuskuläre Koordination werden über Fuß, Sprunggelenk, Knie, Hüfte und Rumpf hinweg betrachtet. Bewegung ist Teamarbeit.
Was der Untergrund dem Körper mitteilt
In der Fußsohle befinden sich zahlreiche Mechanorezeptoren. Sie registrieren Druck, Berührung und Veränderungen des Untergrunds. Diese Informationen werden über das Nervensystem verarbeitet und helfen dem Körper, Haltung, Muskelspannung und Bewegung fortlaufend anzupassen.
Der Körper reagiert deshalb nicht auf jeden Untergrund gleich. Auf einer festen oder unebenen Fläche verändern Menschen unbewusst unter anderem Schrittlänge, Fußaufsatz und Muskelaktivität.
Auch der Schuh gehört zu dieser Schnittstelle zwischen Boden und Körper. Sohlenstärke, Materialhärte, Geometrie, Fersenhalt und Verschluss beeinflussen, welche Reize am Fuß ankommen und wie der Körper darauf reagiert.
Eine dicke, weiche Sohle dämpft deshalb nicht nur den mechanischen Kontakt. Sie filtert und verändert auch die Informationen über Härte, Neigung und Beschaffenheit des Untergrunds.
Die Mechanorezeptoren werden dadurch nicht ausgeschaltet. Das Nervensystem erhält jedoch andere und teilweise weniger deutlich wahrnehmbare Reize als bei einer dünneren, klar definierten Sohlenbasis.
Eine weiche Sohle übernimmt die Stabilisierung außerdem nicht automatisch für den Körper. Gibt die Sohlenbasis bei jedem Schritt nach, verändern sich Druckverteilung und Fußposition fortlaufend. Der Körper muss diese Bewegungen wahrnehmen, kontrollieren und durch Muskelarbeit ausgleichen.
Dafür benötigt er eine ausreichend gute Wahrnehmung, Kraft und Koordination. Gerade bei einem unterstützungsbedürftigen Fuß können diese Voraussetzungen jedoch eingeschränkt sein. Dann kann sich eine sehr weiche Sohle zwar angenehm anfühlen, ohne dem Fuß gleichzeitig die notwendige Sicherheit und Führung zu geben.
▶️ Eine weiche Sohle dämpft nicht nur Kräfte. Sie filtert auch Informationen und stellt eigene Anforderungen an die Stabilisierung.
Der trainierte Fuß ist nicht der unterstützungsbedürftige Fuß
Menschen, die von Kindheit an häufig barfuß oder minimal beschuht gehen, entwickeln andere Bewegungsstrategien als Menschen, die über Jahrzehnte konventionelles Schuhwerk getragen haben. Beobachtet wurden unter anderem kürzere Schritte, eine veränderte Druckverteilung und eine kräftigere intrinsische Fußmuskulatur.
Vor einigen Jahren griff eine bekannte Schuhmarke das Bild der angeblich ständig barfuß gehenden Massai auf. Dadurch entstand bei vielen Menschen der Eindruck, ihre aufrechte Haltung und körperliche Leistungsfähigkeit seien vor allem eine Folge des Barfußgehens.
Die Wirklichkeit ist differenzierter: Wissenschaftliche Untersuchungen und ethnografische Berichte beschreiben bei den Massai sowohl barfußes Gehen als auch den Gebrauch traditioneller Sandalen. Diese wurden früher aus Leder und später häufig aus recyceltem Reifengummi gefertigt. Die robusten Sohlen schützen vor Steinen, Dornen und anderen Gefahren des Untergrunds.
Solche Sandalen sind ebenso wenig mit einer modernen, mehrere Zentimeter hohen Komfortsohle vergleichbar wie das Barfußgehen selbst. Das Beispiel der Massai zeigt vor allem, dass sich Füße, Muskulatur und Bewegungsabläufe über viele Jahre an bestimmte Untergründe und Lebensgewohnheiten anpassen können.
Auch Leistungssportler sind kein allgemeiner Maßstab. Durch jahrelanges, gezieltes Training entwickeln sie eine kräftige und ausdauernde Muskulatur sowie eine hoch entwickelte Bewegungskoordination. Ihr Körper kann deshalb höhere und regelmäßig wiederkehrende Belastungen häufig besser verarbeiten.
Diese Belastbarkeit ist jedoch nicht unbegrenzt. Sie ist das Ergebnis einer schrittweisen und sportartspezifischen Anpassung. Steigen Trainingsumfang oder Intensität schneller, als Muskulatur, Sehnen, Knochen und Bewegungskoordination folgen können, können auch gut trainierte Sportler überlastet werden.
Entscheidend ist deshalb nicht, welche Belastung ein lebenslang angepasster Barfußläufer oder ein Profi-Sportler bewältigen kann. Entscheidend ist, welche Belastung der einzelne Mensch mit seinem aktuellen Trainingszustand, seiner Wahrnehmung und seiner Fußfunktion sicher kontrollieren kann.
Solche Beobachtungen lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf jeden Menschen übertragen. Ein schmerzhafter, fehlgestellter, rheumatisch veränderter oder neurologisch beeinträchtigter Fuß wird nicht allein dadurch gesund und kräftig, dass man ihm möglichst wenig Führung gibt.
Auch der Wechsel zu einem Minimalschuh ist keine Therapie, die eine vorhandene Funktionsstörung automatisch beseitigt. Für einen gesunden und entsprechend trainierten Menschen kann ein solcher Schuh geeignet sein. Bei einem unterstützungsbedürftigen Fuß kann die fehlende Führung jedoch Belastungen verlagern oder zusätzliche Anforderungen an Muskulatur, Sehnen und Knochen stellen. Eine Umstellung sollte deshalb schrittweise und bei bestehenden Beschwerden fachlich begleitet erfolgen.
Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen minimal und maximal weich: Eine dünne, flexible Sohle auf festem Untergrund ist biomechanisch etwas völlig anderes als eine mehrere Zentimeter hohe, stark nachgiebige Zwischensohle. Beide Konstruktionsprinzipien werden im Marketing gelegentlich mit Begriffen wie „natural“, „free“ oder „natürliches Laufgefühl“ verbunden – stellen den Körper aber vor sehr unterschiedliche Aufgaben.
Warum weich zunächst so angenehm ist
Weiche Materialien können lokale Belastungsspitzen reduzieren, empfindliche Strukturen schützen und den Tragekomfort erhöhen. Bei vielen Versorgungen ist eine gezielte Polsterung unverzichtbar. Entscheidend ist jedoch, wo, wie stark und mit welchem Ziel gedämpft wird.
Wird die gesamte Basis sehr weich und nachgiebig, muss der Körper auf dieser beweglichen Unterlage stabilisieren. Wie gut das gelingt, hängt unter anderem von Muskelkraft, Gelenkfunktion, Gleichgewicht, Sensibilität, Körpergewicht und Aktivität ab.
Eine aktuelle Übersicht zu Schuhen für ältere Menschen nennt für Stabilität und Sicherheit deshalb unter anderem eine breite Sohlenbasis, mittelfeste Materialien, niedrige Absätze und einen sicheren Fersenhalt – nicht maximale Weichheit.
Besondere Aufmerksamkeit verdient der Einstieg in eine neue sportliche Aktivität. Wer bisher wenig aktiv war, steigert Trainingsumfang oder Intensität leicht schneller, als Muskulatur, Sehnen, Knochen und Bewegungskoordination sich anpassen können.
Kommt dann eine hohe, stark nachgiebige Sohlenkonstruktion hinzu, kann sie zusätzliche Stabilisierungsarbeit verlangen. Der Schuh fühlt sich möglicherweise sehr komfortabel und schützend an – er ersetzt aber weder einen angemessenen Trainingsaufbau noch die körperliche Anpassung an die neue Belastung.
Das bedeutet nicht, dass eine weiche Sohle den Körper zwangsläufig überfordert. Es bedeutet: Schuhkonstruktion, Trainingszustand und Belastungssteigerung müssen zusammenpassen.
Auch ein weicherer Auftritt bedeutet nicht automatisch eine geringere Belastung für den gesamten Körper. In einer Laborstudie mit gesunden Läufern passten die Probanden ihre Bewegung an einen stark gedämpften Maximalschuh an. Dabei nahmen die Beinsteifigkeit und bei höherem Tempo auch bestimmte Stoßbelastungswerte zu.
Diese einzelne Untersuchung beweist nicht, dass stark gedämpfte Schuhe grundsätzlich schädlich sind. Sie zeigt aber, dass der Körper unter einer weicheren Sohle nicht einfach passiv „weniger Belastung“ erfährt. Er verändert seine Bewegungs- und Stabilisierungsstrategie. Wie günstig diese Anpassung ist, hängt vom Menschen, vom Schuh und von der jeweiligen Belastung ab.
Machen sehr weiche Schuhe krank?
Eine solche pauschale Aussage wäre wissenschaftlich nicht haltbar. Ebenso wenig ist aber belegt, dass ein besonders weicher Schuh jeden Fuß schützt oder automatisch gesünder ist.
Aus unserer fachlichen Sicht ist besondere Aufmerksamkeit sinnvoll, wenn eine hoch aufgebaute, stark nachgiebige Sohle mit wenig Fersenhalt, geringer Torsionskontrolle oder fehlender Befestigung zusammentrifft – vor allem dann, wenn der Fuß bereits Unterstützung benötigt.
Das betrifft Konstruktionsprinzipien, nicht pauschal einzelne Marken. Auch innerhalb einer Marke können sich Modelle in Aufbau, Härte, Führung und Einlagentauglichkeit deutlich unterscheiden.
Wer besonders genau hinsehen sollte
Bei Fehlstellungen und Instabilität
Knick-Senkfuß, ausgeprägte Überbeweglichkeit, eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit oder deutliche Achsabweichungen können die Anforderungen an einen Schuh verändern.
Je nach Befund können eine kontrollierbare Sohlenbasis, ein sicherer Fersenhalt, eine geeignete Abrolllinie oder eine individuell gefertigte Einlage notwendig sein. Eine sehr nachgiebige Konstruktion kann die gewünschte Führung erschweren.
Bei rheumatischen Erkrankungen
Entzündliche Gelenkerkrankungen können Schmerzen, Schwellungen, Deformitäten, Sehnenprobleme und Druckstellen verursachen. Die aktuelle Leitlinie der British Society for Rheumatology empfiehlt eine individuelle Beurteilung von Fuß, Gangbild, Schuh und vorhandenen Einlagen.
Als relevante Schuhmerkmale nennt sie unter anderem ausreichende Weite und Tiefe, Halt im Gewölbebereich, eine feste Fersenkappe und einen funktionierenden Verschluss. Angepasste Orthesen können Schmerzen reduzieren und die Funktion verbessern.
Bei Diabetes und Neuropathie
Bei Diabetes muss besonders differenziert werden. Nicht jeder Mensch mit Diabetes hat einen Risikofuß.
Liegen jedoch eine verminderte Schutzsensibilität, Durchblutungsstörungen, Deformitäten oder bereits abgeheilte Wunden vor, stehen Schutz, Druckentlastung und die Vermeidung von Hautschäden im Vordergrund.
Die internationale IWGDF-Leitlinie empfiehlt dann passend geformtes, ausreichend geräumiges und gegebenenfalls therapeutisches Schuhwerk mit nachgewiesener Druckentlastung. Dünnsohlige Schuhe oder Hausschuhe sind für den diabetischen Risikofuß ausdrücklich keine allgemeine Empfehlung.
Bei nachlassender Balance und Muskelkraft
Mit zunehmendem Alter können Sensibilität, Reaktionsfähigkeit und Muskelkraft abnehmen. Eine gute Passform, eine breite und kontrollierbare Standfläche, ein rutschhemmendes Profil und sicherer Halt gewinnen dann an Bedeutung.
Schuhe, die am Fuß rutschen oder seitlich stark nachgeben, können die Stabilisierung zusätzlich erschweren.
▶️ So viel Bewegungsfreiheit wie möglich – so viel Schutz und Unterstützung wie individuell notwendig.
Sieben Merkmale eines guten, einlagentauglichen Schuhs
1. Genügend Zehenraum
Die Zehen benötigen ausreichend Platz in Länge, Breite und Höhe. Der Schuh sollte die natürliche Vorfußform nicht zusammendrücken und vorhandene Fehlstellungen oder Druckstellen nicht zusätzlich belasten.
2. Passende Breite statt einfach eine Nummer größer
Ein zu schmaler Schuh wird durch zusätzliche Länge nicht passend. Leistenform und Schuhweite müssen zum Fuß passen. Gleichzeitig darf der Fuß im Schuh nicht seitlich schwimmen.
3. Sicherer Halt am Fuß
Schnürung, Klettverschluss oder ein anderer regulierbarer Verschluss halten den Fuß dort, wo der Schuh konstruktiv Halt geben soll.
Ein reiner Schlupfschuh muss häufig enger sitzen, damit er nicht verloren geht – oder der Fuß versucht, ihn durch zusätzliche Muskelarbeit festzuhalten.
4. Eine kontrollierbare Ferse
Eine ausreichend formstabile Fersenkappe und ein passender Schaft unterstützen den Rückfuß. „Stabil“ bedeutet dabei nicht zwangsläufig hart oder unbequem, sondern kontrollierbar und zum Befund passend.
5. Eine zum Versorgungsziel passende Sohle
Die Laufsohle braucht sicheren Bodenkontakt und eine geeignete Rutschhemmung. Flexibilität, Torsionssteifigkeit, Sohlenhöhe und Abrollpunkt müssen gemeinsam betrachtet werden.
Eine dünnere, klar definierte Sohle kann für manche Menschen eine gute Rückmeldung ermöglichen. Bei anderen sind Schutz, Versteifung oder eine gezielte Abrollhilfe wichtiger.
6. Platz für die orthopädische Einlage
Das serienmäßige Fußbett sollte möglichst herausnehmbar sein. Der Schuh benötigt genügend Innenraum, damit Fuß und Einlage Platz finden, ohne den Fuß gegen Nähte, Schaft oder Zehenkappe zu drücken.
Die Einlage darf nicht auf einer stark verformten oder instabilen Unterlage „schwimmen“.
7. Passformkontrolle im Stehen und Gehen
Ein Schuh kann im Sitzen bequem wirken und sich unter Belastung ganz anders verhalten. Deshalb sollten Passform, Fersenhalt, Abrollverhalten und die Kombination mit der Einlage im Stehen und Gehen kontrolliert werden.
Beide Füße prüfen – möglichst nicht nur am frühen Morgen
Füße können sich im Tagesverlauf verändern und am Abend mehr Umfang aufweisen als am Morgen. Wer Schuhe nur morgens und unbelastet anprobiert, bemerkt deshalb möglicherweise erst später, dass Volumen oder Weite nicht ausreichen.
Außerdem sind linker und rechter Fuß bei vielen Menschen nicht vollkommen gleich lang, breit oder voluminös. Deshalb gilt:
- beide Schuhe anprobieren und nicht nur den vermeintlich „problematischen“ Fuß prüfen,
- möglichst die Strümpfe tragen, die später im Alltag verwendet werden,
- eine vorhandene Einlage zur Anprobe mitbringen,
- im Schuh stehen und einige Minuten gehen,
- bei der Größenwahl den größeren beziehungsweise raumfordernden Fuß berücksichtigen,
- Fersenhalt und sicheren Sitz trotzdem auf beiden Seiten kontrollieren.
▶️ Der beste Schuh ist nicht der weichste. Es ist der Schuh, dessen Eigenschaften zum Fuß, zum Menschen und zum Einsatzzweck passen.
Schuh und Einlage sind ein System
Eine orthopädische Einlage entfaltet ihre vorgesehene Funktion nicht unabhängig vom Schuh. Platzangebot, Sohlengeometrie, Absatzsprengung, Fersenführung und Verschluss beeinflussen das Versorgungsergebnis.
Wird dieselbe Einlage in sehr unterschiedlichen Schuhen getragen, kann sie sich deshalb auch unterschiedlich anfühlen und wirken.
Eine fachgerechte Versorgung beginnt nicht mit der Frage „weich oder hart?“, sondern mit dem Befund und einem konkreten Ziel:
-
Befunden: Was ist verändert und wodurch entstehen die Beschwerden oder Risiken?
-
Ziel festlegen: Soll entlastet, geführt, gebettet, stabilisiert oder das Abrollen verändert werden?
-
Einlage konstruieren: Form, Festigkeit, Polsterung und Bezug werden passend ausgewählt.
-
In den Schuh einpassen: Fuß, Einlage und Schuh werden gemeinsam kontrolliert.
-
Wirkung überprüfen: Erreicht die Versorgung das vereinbarte Ziel, oder muss nachgearbeitet werden?
Genau deshalb gehört die Schuhberatung zur Einlagenversorgung. Ein modischer Sneaker kann sehr gut geeignet sein, wenn Leistenform, Zehenraum, Halt, Sohlenbasis und Innenvolumen stimmen.
Ein als besonders bequem beworbener Schuh kann dagegen ungeeignet sein, wenn er der vorgesehenen Versorgung keine verlässliche Grundlage bietet.
Gute Schuhe dürfen bequem sein – aber Bequemlichkeit allein reicht nicht
Es geht nicht darum, weiche Schuhe zu verbieten oder jeden Fuß möglichst starr zu führen. Ein gesunder Fuß braucht Bewegung, Muskelarbeit und wechselnde Reize. Polsterung und Komfort können sinnvoll und wohltuend sein.
Aber ein Fuß, der Unterstützung benötigt, braucht eine bewusst gewählte Umgebung. Zehenfreiheit ohne Halt ist ebenso wenig die ganze Lösung wie Stabilität ohne passende Weite. Dämpfung ersetzt keine Führung. Und ein hochwertiges Material ersetzt keine fachliche Befundung.
Wer orthopädische Einlagen trägt, sollte neue Schuhe deshalb möglichst zusammen mit der Einlage auswählen und die Kombination im Fachbetrieb prüfen lassen.
Bei Schmerzen, zunehmenden Fehlstellungen, Taubheitsgefühl, wiederkehrenden Druckstellen oder Unsicherheit beim Gehen ist eine fachliche beziehungsweise medizinische Abklärung sinnvoll.
▶️ Unser Fazit: Freiheit dort, wo der Fuß sie nutzen kann. Unterstützung dort, wo er sie braucht.
Wissen für das Kundengespräch
Dieser Beitrag richtet sich besonders an Fachhandwerker, Meister, Gesellen und Auszubildende. Er kann im Beratungsgespräch gezeigt, als Link an Kunden weitergegeben und für interne Schulungen genutzt werden.
So lassen sich Unterschiede zwischen Komfort, Dämpfung, Führung und Einlagentauglichkeit verständlich erklären, ohne einzelne Schuhmodelle pauschal zu bewerten.
Für das Fachhandwerk entwickelt
Himmelsbach Technologie beliefert Orthopädie-Schuhtechnik, Sanitätshäuser und Podologien mit Einlagenrohlingen, Materialien und individuellen Fertigungslösungen.
Unsere Produkte geben dem Fachbetrieb die Freiheit, eine Versorgung passend zu Fuß, Schuh und Versorgungsziel aufzubauen.
👉 Orthopädische Einlagenrohlinge entdecken
Unser Shop richtet sich ausschließlich an gewerbliche Fachkunden. Endverbraucher wenden sich für Beratung und Versorgung bitte an einen orthopädieschuhtechnischen Fachbetrieb vor Ort.
Nutzung durch Fachbetriebe: Fachbetriebe dürfen diesen Beitrag im Beratungsgespräch zeigen, den Seitenlink per E-Mail, Messenger, Newsletter oder über soziale Medien weitergeben und einzelne kurze Textauszüge mit der Quellenangabe „Himmelsbach Technologie GmbH“ sowie einem Link auf den Originalbeitrag verwenden. Die vollständige Übernahme des Textes, inhaltliche Veränderungen sowie die Verwendung der Abbildungen bedürfen unserer vorherigen Zustimmung.
-
-
Strzalkowski NDJ, Peters RM, Inglis JT, Bent LR: The sensory role of the sole of the foot: Review and update on clinical perspectives. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 2020.
PubMed -
Chen C-H, Li J, Okubo Y: Footwear Characteristics and Their Impact on Gait and Balance in Older Adults: A Systematic Review of Recent Evidence. Journal of the American Geriatrics Society, 2026.
PubMed -
Cheever CR et al.: Evidence-Based Footwear Recommendations for Older Adults: Enhancing Mobility, Comfort, and Fall Prevention. Journal of the American Geriatrics Society, 2026.
PubMed -
Kulmala J-P et al.: Running in highly cushioned shoes increases leg stiffness and amplifies impact loading. Scientific Reports, 2018.
Scientific Reports -
Chapman LS et al.: The British Society for Rheumatology guideline for the management of foot health in inflammatory arthritis. Rheumatology, 2025.
PubMed Central -
Bus SA et al.: Guidelines on the prevention of foot ulcers in persons with diabetes – IWGDF 2023 update.
IWGDF-Leitlinie -
Deutsche Kniegesellschaft e. V.: STOP-X – Knieverletzungen vermeiden.
STOP-X -
Gabel M, Gabel M: „Fußgesundheit: Prävention bei Fußbeschwerden und -erkrankungen“, ORTHOPÄDIESCHUHTECHNIK 06/2026, S. 20–22.
-
Best W: „Arbeiten nach dem Versorgungsstandard – was heißt das?“, ORTHOPÄDIESCHUHTECHNIK 05/2026, S. 24–25.
-
Kerckhoff A, Sief T, Ahrens H-G, Sprekelmeyer T, Strümpf J: „Definition eines Versorgungsstandards in der orthopädischen Einlagenversorgung“, ORTHOPÄDIESCHUHTECHNIK 10/2022, S. 34–41.
-
Kalkhoven JT et al.: Training Load and Injury: Causal Pathways and Future Directions. Sports Medicine, 2021.
PubMed -
Diurnal variations in volume of the foot and ankle.
PubMed -
Buldt AK, Menz HB: Incorrectly fitted footwear, foot pain and foot disorders: a systematic search and narrative review of the literature. Journal of Foot and Ankle Research, 2018.
PubMed -
Choi JY et al.: A comparative study of the feet of middle-aged women in Korea and the Maasai tribe. Journal of Foot and Ankle Research, 2015.
PubMed -
Martins H: Maasai sandals … and their social life. Etnográfica, 2022.
Etnográfica -
Holowka NB, Wallace IJ, Lieberman DE: Foot strength and stiffness are related to footwear use in a comparison of minimally- vs. conventionally-shod populations. Scientific Reports, 2018.
Scientific Reports -
Tourillon R, Gojanovic B, Fourchet F: How to Evaluate and Improve Foot Strength in Athletes: An Update. Frontiers in Sports and Active Living, 2019.
PubMed -
Sánchez-Del Río E et al.: Injury risk associated with the transition to minimalist footwear in runners: A systematic review and meta-analysis. Gait & Posture, 2026.
PubMed
-